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Traditionen im eisigen Winter

Altes Brauchtum und schöne Traditionen im eisigen Winter

VORSICHT! – Die wilden Perchten kommen

Die sagenumwobenen Rauhnächte sind nicht mehr weit, und sie kommen, um die bösen Geister zu vertreiben – die Perchten. Ein wenig unheimlich muten sie schon an mit ihren furchteinflößenden Masken und lautem Glockengeläut. Aber alles halb so schlimm, denn eigentlich möchten sie nur die Zuschauer ein wenig erschrecken und aufmischen.

Nun, sie als „Gutmenschen“ zu bezeichnen, wäre vielleicht ein wenig übertrieben. Aber ihr Spiel dient in erster Linie dazu, den bösen Geistern des Winters den Garaus zu bereiten. Die Perchten in Österreich sind wahrlich nicht zu überhören. Mit lautem „Geschepper“ durchdringen sie die kristallklare Nacht, indem sie durch die verschneiten Straßen ziehen.

Lebendige Traditionen – hier werden sie durch zahlreiche Perchtengruppen gelebt, und Besucher sind gut beraten, wenn sie dieses Spektakel mit einer wärmenden Tasse Glühwein in den Händen und einem kleinen Sicherheitsabstand bestaunen.

Holzmasken für Perchten vom Herrgottschnitzer

Holzmasken vom Herrgottschnitzer

Die Masken sind nicht nur ein Spaß aus Pappmaché, sondern hier haben wahre Künstler ihre Hände im Spiel. Echte Profis haben die Holzmasken aufwendig geschnitzt. Osttirols Bergwelt kann diesbezüglich mit dem in ihr beheimateten Holzbildhauer Johann Planer auftrumpfen, dessen Leidenschaft auch der Krippenschnitzerei gilt.

Es sind echte Kunstwerke, die er in seinen Händen entstehen lässt, vielleicht auch ein Grund dafür, dass in Tirol die Krippenkultur besonders gepflegt wird. Das Tiroler Krippenmuseum im Stubaital legt Zeugnis darüber ab.

Ruhiger & besinnlicher: Klöpflnächte

Jetzt wird es ruhiger & besinnlicher, denn dieser Brauch aus dem Tiroler Unterland gehört laut UNESCO nicht nur zum immateriellen Kulturerbe Österreichs, sondern punktet auch mit viel Herzlichkeit.

Die „Klöpflnächte“, die drei Donnerstage vor Weihnachten, werden von Sängern und Musikanten beherrscht. Diese ziehen als Hirten verkleidet, von Tür zu Tür. Dort werden sie von den Hausbewohnern sehr herzlich empfangen, denn sie verkünden in ihren Liedern die Geburt Jesu. Als liebes Dankeschön gibt es dann Getränke, Weihnachtskekse oder eine kleine Jause.

Die Raunächte – die Zeitspanne zwischen Wintersonnenwende und Dreikönigstag

Besonders die letzte Rauhnacht kann Winterurlaubern in Oberösterreich ein uriges Schauspiel bieten. Dann ziehen die „Glöckler“ durch die Dörfer!

Glöcklerlauf Ebensee Wikimedia Commons By Oe5sbp

Glöckler aus Ebensee

In weiße Gewänder gehüllt, mit kunstvollen, hell erleuchteten Glöcklerkappen und Glocken „behütet“, die bis zu zweieinhalb Meter lang und eineinhalb Meter hoch sein können, erleuchten sie die Winternacht. Bei den Glöcklerkappen handelt es sich um Hauben, die mittels Kerzen von innen beleuchtet werden, und mit filigranen, farbenfrohen Mustern aufwarten.

Vor den Glöcklern braucht keiner Angst zu haben, denn sie genießen den Ruf von guten Lichtgeistern, die ähnlich den Perchten, den kalten Winter und die bösen Raunachtsgeister vertreiben sollen. Reines „Imponiergehabe“, denn viele wünschen sich natürlich, dass der Winter in Österreich noch ein wenig andauert.

Andere Länder – andere Traditionen

Die bei uns weniger bekannten Winterbräuche, welche, die sozusagen ein wenig im Verborgenen ihren Schabernack treiben oder in fremden Landen „schlummern“, deshalb aber nicht weniger reizvoll sind.

Ein Weihnachten mit Geiß‘ und Bär

„Fang den Zaun zu flechten an!“ – ob es hilft, weiß nur der Erfinder dieses gesungenen Willkommensgrußes, der in die wenig bekannte Welt altrussischer Weihnachts- und Winterbräuche entführen soll. Hier, wo Possenreißer ihre Späße treiben und Geiß‘ und Bär nicht sicher vor ihnen sind, wird direkt, sozusagen im Ringelreihen, in den Fasching getanzt.

Es ging immer hoch her, wenn Mütterchen Russland das Weihnachtsfest einläutete. Der Kirchenraum kam dabei aber höchst selten zu Ehren, denn die Karnevalsstimmung verbreitete sich schon in den Tagen zuvor. Wenn am 7. Januar das orthodoxe Weihnachtsfest mit feierlichen Gesängen zelebriert wird und Väterchen Frost kommt, hat das Volk schon seinen Spaß gehabt.

Vor diesem denkwürdigen Tag ziehen die Menschen mit Tänzen, Possen und Masken durch die Straßen, um der weltlichen Vorfreude Ausdruck zu verleihen. Einen Eindruck beider Aspekte russischer Weihnacht zeigen heute traditionelle russische Tanz- und Gesangsensemble auf, die sich der Pflege altrussischer Bräuche, Riten und Volksmusik verschrieben haben.

Oft schlagen sie dabei ein wenig über die Stränge, wenn sie, mit Schlagzeug und Keyboard bewaffnet, Volksmusik „aufgepeppt“ haben. Der strenge Blick von Puristen ist ihnen dabei sicher.

Dennoch kann es auch unterhaltsame Alternative für all diejenigen sein, die dem „Last Christmas“-Rummel abgeschworen haben, aber auch volkstümelnder Besinnlichkeit entkommen möchten. Eben andere Länder – andere Traditionen!

Egal, ob sakraler Lobpreis, profane Possen-Reißerei oder tradierte Winterbräuche, jedem das Seine – Russland macht da keinen Unterschied.

Faszinierende Bilder sind es in jedem Fall, Bilder, die das einzigartige Zusammenspiel von heidnischem Brauchtum und religiöser Gläubigkeit demonstrieren – Jahrhunderte alte Tradition, die in einer besinnlichen „Stillen Nacht“ mündet und echte Lebensfreude in sich birgt.

Der Winter und gerade die Vorweihnachtszeit sind voll von vielen schönen Traditionen. Lesen Sie hier über die Perchten vom Herrgottschnitzer, die Klöpflnächte & die Glöckler.

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