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Stainzer Festtracht

Was haben wir Erzherzog Johann nicht alles zu verdanken!

Erzherzog Johann sorgte dafür, dass die Gegend um Stainz im 19. Jahrhundert als „gut betucht“ galt. Nicht nur, dass er im Jahre 1840 das Schloss Stainz kaufte, nein, zehn Jahre später wurde er auch noch Bürgermeister der damals 700 Einwohner zählenden Marktgemeinde Stainz. Aber Erzherzog Johann war einer, der in dieser Gegend nicht nur politisch seine Spuren hinterließ.

Die Überlieferung will es, dass auch heute noch die sehr aufwendig gearbeitete Stainzer Festtracht im Fokus steht. Diese zeugt von viel Wohlstand und Traditionsbewusstsein, weiß Evelyn Kometter vom Steirischen Heimatwerk zu berichten.

Die Stainzer Festtracht

Stainzer FesttrachtEin durchgehender Seidenbrokat-Leibkittl, der an sich schon etwas Besonderes darstellt, wird im Ausschnitt sowie um den Saum herum mit einer extravaganten Rüsche geziert. Diese wird aus einem zwölf Meter langen Stoffstreifen gearbeitet, wobei der Ausschnitt noch durch eine Herzrüsche verziert wird.

Doch das ist noch nicht alles, denn der markante Fächer im Rücken ist das auffallendste Detail. An der Stainzer Festtracht wird wahrlich nicht mit Rüschen gespart. Mit Fug und Recht kann behauptet werden, dass sie eine der vielen, heute noch lebendigen Trachten ist.

Es ist kein Geheimnis, dass sich unter dem Überbegriff „Tracht“ jeder etwas anderes vorstellt. Früher war es gang & gäbe, Tracht zu tragen, denn sie war sozusagen das „Alltagsgewand“. Der heutige Formenreichtum und die Farbenvielfalt beruhen indes auf einem langen Entwicklungsprozess, der an die Fertigkeit der Menschen, zur Verfügung stehende Materialien zu behandeln und zu verarbeiten, gekoppelt ist.

Jetzt schließt sich ein wenig der Kreis, denn im 19. Jahrhundert war eine Verflachung und Vereinheitlichung der Trachtenkleidung zu beobachten, die ihre Ursachen sowohl in der politischen und wirtschaftlichen Umwälzung als auch in verschiedenen Modetrends hatte.

Einzig und allein dem „Steirischen Prinz“, dem Erzherzog Johann, war es zu danken, dass es zu keiner weiteren Reduzierung alpenländischen Kulturgutes kam. Er und seine Frau Anna Plochl widmeten sich unermüdlich deren Pflege und Festigung. So ist es ihnen zu verdanken, dass die Volkstracht, die sie übrigens selbst getragen haben, in der Steiermark immer noch ein so hohes Ansehen genießt.

Die Stainzer verstehen ihre Tracht als altes Kulturgut, das sie aber lebendig erhalten möchten. Aus diesem Grunde gibt es eine eigene festliche Frauentracht, ein Alltagsdirndl und eine eigene Männertracht.

Fächer am Rücken der Stainzer FesttagstrachtDie Frauenfesttracht ist knöchellang und aus Brokatseide. Eine Rüsche aus dem Kleiderstoff verziert den Ausschnitt bzw. wird auch oberhalb des Kittelrandes aufgenäht. Am Leiblrücken präsentiert sich der typische „Stainzer Fächer“.

Die Farbe der Schürze beschränkt sich meistens auf ein schlichtes Hellblau, Hellgrau oder Schwarz. Das Tragen weißer oder hellblauer Strümpfe gehört dann zum Pflichtprogramm. Ein Seidentuch, das locker in den Ausschnitt gesteckt wird, wertet die Festlichkeit noch zusätzlich auf.

Besondere Anlässe erfordern besondere Kopfbedeckungen. Während verheiratete Frauen „Drahthauben“ tragen, denn sie sind ja schließlich „unter die Haube gekommen“, tragen Mädchen über dem „Bodenhäuberl“, das im Nacken mit zwei langen schwarzen Seidenbändern gebunden wird, einen „Sulmerhut“, einen flachen, breitkrempigen Strohhut mit langem breiten Seidenband.

Die Stainzer Männertracht

Aber auch die Mannsbilder sind „piekfein“. Sie tragen eine schwarze lederne Kniebundhose, hellblaue Kniestrümpfe und einen dazu passenden kurzen Janker, der aus grünem Tuch gearbeitet wird. Am Rücken zieren ihn ein Hakenschlitz und zwei Falten. Die Janker-Knöpfe, die vorne doppelreihig angeordnet sind, werden mit dem Janker-Stoff überzogen.

Ergänzung findet die schöne Männertracht in gestickten Hosenträgern oder einem roten Brustfleck. Als typische Kopfbedeckung gilt der „Bullkogelhut“, ein hochgupfiger, schwarzer Filzhut mit
bunten Schnüren.

Und wo gibt es all diese interessanten Trachten noch zu bewundern? Als Beispiele für das lebendig Erhalten der Tracht stehen der Musikverein Stainz und die Volkstanzgruppe Stainz. Ersterer ist schon seit über 40 Jahren in Stainzer Tracht gekleidet und wird es hoffentlich auch die nächsten 40 Jahre sein. Es ist schon ein Glück, dass die Stainzer diese überlieferte Gewandung als lebendiges Kulturgut verstehen und nicht als museales, veraltetes Relikt sowie unattraktiven Schnörkel aus vergangenen Zeiten!

Bild: Tanz mit Franz

Das Besondere an der Stainzer Festtagstracht ist der Stainzer Fächer am Rücken. Dieses festliche Dirndl ist aus Baumwollbrokat.

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