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Sichere Wiesn für alle Dirndln

Sichere WiesnAktion „Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen“

Sichere Wiesn Organisationsteam

Das Organisationsteam: Anja Bawidamann (AMYNA e.V.), Alexandra Stigger (Frauennotruf München) und Kristina Gottlöber (IMMA e.V.)

Beim alljährlichen Oktoberfest in München, das von Zigtausenden täglich besucht wird, wollen alle eine „Gaudi“ haben. Es wird gefeiert, geflirtet, getrunken und bisweilen auch heftig gebusselt. Doch was passiert, wenn der Spaß aufhört, der Flirt unangenehm, der Begleiter zudringlich wird?

Kristina Gottlöber organisiert gemeinsam mit zwei Kolleginnen die Aktion Sichere Wiesn und ist zum 13. Mal mit einem Security Point vor Ort: „Unser vorrangiges Ziel ist es, Mädchen und Frauen einen sicheren und unbeschwerten Wiesnbesuch zu ermöglichen. Dabei geht es zum einen darum, bereits im Vorfeld Besucherinnen und Besucher für die Thematik der sexuellen Gewalt auf dem Oktoberfest zu sensibilisieren und Verharmlosungen entgegenzuwirken.

Außerdem geben wir Tipps für einen sicheren Wiesnbesuch. Auf dem Oktoberfest selber sind wir dann zum anderen direkt vor Ort, um Mädchen und Frauen in allen Problemlage zu unterstützen und einen sicheren Heimweg für Frauen in Notlagen sicher zu stellen.“

Die drei Münchner Einrichtungen AMYNA e.V., IMMA e.V. und der Frauennotruf München riefen 2003 die Aktion ins Leben, da es auf dem Oktoberfest eine alarmierend hohe Anzahl an angezeigte Vergewaltigungen gab. Wissenschaft und Forschung bestätigen seit Jahren, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt, als Zahl der Sexualstraftaten, die tatsächlich zur Anzeige gebracht wird.
Das Anliegen damals war es, die Wiesn auch für Mädchen und Frauen zu einem sicheren Ort zu machen und die gesellschaftliche Sichtweise auf sexuelle Gewalt zu verändern.

„Damals waren wir noch in einem Wohnwagen im sogenannten Behördenhof. In diesem ersten Jahr wurden insgesamt 28 Mädchen und Frauen beraten. Heute sind wir in einem Raum im Service Zentrum untergebracht, direkt neben Polizei, Erster Hilfe und Festleitung. 2014 suchten 221 Mädchen und Frauen sowie 45 Begleitpersonen Unterstützung am Security Point.
Wir führen die anzeigende Zahl der Klientinnen nicht auf eine steigende Zahl von Sexualstraftaten zurück, sondern in erster Linie darauf, dass das Angebot der Aktion in den letzten Jahren deutlich bekannter geworden ist und somit auch häufiger in Anspruch genommen wird“, erzählt Kristina Gottlöber.

Sichere Wiesn: Wo findet frau Unterstützung?

Sichere Wiesn Fahrdienst

Zwei Ehrenamtliche am Fahrdienstauto

Der Security Point ist im Service Zentrum direkt auf der Theresienwiese untergebracht. Vor dem Eingang „Erste Hilfe“ stehen in der Regel zwei Kolleginnen als Ansprechpartnerinnen bereit und nehmen hilfesuchende Mädchen und Frauen in Empfang. Das Team ist an jedem Wiesntag von 18.00 bis 1.00 Uhr vor Ort, samstags ist die Anlaufstelle bereits ab 15.00 Uhr geöffnet.

„Für die Durchführung des Security Points vor Ort stehen fünf Fachfrauen für die Beratung bereit sowie rund 40 ehrenamtliche Helferinnen (überwiegend Studentinnen der sozialen Arbeit, Psychologie oder ähnlicher Studiengänge). Pro Abend sind ein bis zwei Fachfrauen sowie sechs bis zehn Ehrenamtliche im Einsatz.

Grundsätzlich kann sich jede Besucherin an uns wenden, die sich in irgendeiner Form verunsichert, bedroht oder belästigt fühlt. Unsere Unterstützungsangebote beginnen dabei, dass wir helfen, das Hotel oder die Freunde und Angehörige wiederzufinden.

Darüber hinaus kümmern wir uns um einen sicheren Heimweg, unterstützen in Krisensituationen, stabilisieren vor Ort und begleiten und beraten im Notfall auch intensiv, z.B. nach einer erlebten Vergewaltigung. Das bedeutet dann auch, dass wir eine Frau, wenn sie das möchte, in die Klinik, zur Polizei oder sonstigen Einrichtungen begleiten und sie bei allen Anforderungen unterstützen.
Für Frauen aus München und Umgebung stehen wir in den verschiedenen Einrichtungen auch nach der Wiesn für Beratung und Unterstützung zur Verfügung. Frauen aus anderen Städten oder Ländern versuchen wir weiterführende Hilfsangebote zu vermitteln“, so Gottlöber.

„Jedes Jahr erleben wir Mädchen und Frauen, die nach einem erlebten sexuellen Übergriff die Schuld bei sich selber suchen. Scham und Schuldgefühle führen dazu, dass viele Betroffene zum Teil jahrelang nicht über das Erlebte sprechen und sich oftmals keine Hilfe suchen. Uns ist wichtig klar zu stellen: die Verantwortung für eine sexuelle Grenzverletzung  – egal in welcher Form – trägt stets der Täter. Wir setzen uns dafür ein, dass alle Mädchen und Frauen einen unbeschwerten Wiesnbesuch erleben können und gesellschaftliche Verurteilungen im Sinne des „Victim Blaiming“ abgebaut werden.“

Wichtige Tipps für den unbeschwerten Wiesnbesuch

Logo Sichere Wiesn„Am wichtigsten ist es sicher, dass Mädchen und Frauen Spaß auf dem Oktoberfest haben sollen. Wir möchten in keinem Fall vom Wiesnbesuch abraten. Um diesen Besuch genießen zu können, empfehlen wir, ein paar kritische Situationen zu bedenken, um sich sicher fühlen zu können. Was passiert z.B., wenn ich meine FreundInnen verlieren? Sinnvoll ist es, einen Treffpunkt zu vereinbaren (z.B. immer zur vollen Stunde am Riesenrad).

Und als letztes ist es ganz wichtig, keine falsche Scheu oder Scham zu empfinden: Die Unterstützung durch den Security Point kann jederzeit und von jeder Frau kostenfrei in Anspruch genommen werden“, meint Kristina Gottlöber.

  • „Treff ma uns am Riesnrad“: Im Gedränge kann man sich ganz schnell aus den Augen verlieren. Wenn auch noch das Handynetz überlastet ist, hilft auch die moderne Technik nicht weiter. Am besten schon vorab einen Treffpunkt vereinbaren, z.B. an gut sichtbaren Orten wie den großen Fahrgeschäften oder dem Service Zentrum.
  • „Wo ist mei Dascherl?“: Schnell kommt einem die Handtasche abhanden – gestohlen, vergessen, verloren. Am besten ist es, die wichtigsten Dinge (etwas Geld, Handy, Haustürschlüssel, Hoteladresse) am Körper zu tragen. Dann ist der Abend gerettet und die geliebte Tasche taucht vielleicht morgen beim Fundbüro wieder auf.
  • I schaug auf mei Mass“: In den vergangen Jahren gab es mehrere Verdachtsfälle von K.O.-Tropfen auf dem Oktoberfest. Farb- und geschmacklos werden sie beim Trinken nicht bemerkt. Deswegen behält man die eigene Maß am besten im Auge.
  • „A Brezn und a Radler, bitte“: Das Wiesnbier ist um einiges stärker als normales Bier. Es empfiehlt sich also zwischendurch auch mal etwas anderes zu trinken, z.B. Radler oder Spezi. Auch eine Wiesnbrezn oder ein resches Hendl tut gut, wenn man zu viel getrunken hat.
    Übrigens: Eine Runde Bier vom netten Herren nebenan verpflichtet zu nichts!
  • „Nimm dei Brazn weg!“: Auch der netteste Flirt kann kippen, plötzlich wird die Situation unangenehm, der neue Bekannte zudringlich. Jetzt heißt es keine Angst vor Peinlichkeiten. Ein klares „Stopp!“ oder „Lassen sie das!“ macht klar, dass die Grenze überschritten ist.
  • „Kimm i jetzt nimma nei?“: Bei Überfüllung werden die Festzelte häufig geschlossen. Wenn man das Zelt verlässt, kann es sein, dass man nicht wieder hinein kommt. Am besten am Ausgang bei den Securities nach Wiedereinlass-Karten fragen und alle wichtigen Dinge mitnehmen.
  • „Du mit dem Huad, huif ma!“: Im Notfall empfiehlt es sich, andere zum Helfen aufzufordern. Am besten WiesnbesucherInnen, Bedienungen, Securities oder die Polizei ganz gezielt ansprechen.
  • „Jetzt geh ma heim!“: Gemeinsam fühlt man sich auf dem Heimweg immer sicherer. Wer allein unterwegs ist, kann sich z.B. einer Frauengruppe anschließen. In jedem Fall sollte der Heimweg rechtzeitig eingeschlagen werden! Wer sich zu müde, betrunken oder unsicher fühlt, kommt am besten zum Security Point. Auf dem Festgelände schlafen ist nie eine gute Idee!

Trachtenbibel Avatar Natürlich sind alle Wiesn-BesucherInnen aufgefordert, aufmerksam zu sein und Zivilcourage zu zeigen, wenn ein Mädchen oder eine Frau belästigt wird.
Schreiten Sie ein oder holen Sie Hilfe z.B. bei der Polizei, dem Personal, den Securities, anderen Gästen – oder natürlich am Security Point.
Hinschauen statt Wegschauen, damit alle a Gaudi haben!

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