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Pfingstbräuche der etwas anderen Art

Pfingstbräuche, die Ihnen vielleicht ein wenig „aus der Art geschlagen“ vorkommen, auch diese gibt es – und nicht zu wenig. Grund genug, sich ihnen doch einmal zu widmen – oder?

Österreich und Deutschland rangieren bei den Pfingstbräuchen auf den vorderen Rängen. Hier suhlen sich nicht nur die Burschen im Dreck, nein, hier wird auch der Pfingstochse genötigt, sich zu schmücken. Und ob das alles noch nicht genug sei, wird ganz zum Schluss noch ordentlich Knoblauch gegessen. Sie zweifeln? Unsere Bräuche zum Pfingstfest möchten Sie vom Gegenteil überzeugen.

Pfingstbräuche der etwas anderen Art

Das Pfingstfeuer im Allgäu

Wenn wir an Pfingsten denken, so kommt uns nicht unbedingt ein großes Feuer in den Sinn. Dieses ist dann doch eher dem Osterfest vorbehalten. In einigen Regionen, so beispielsweise im Allgäu, ist es liebgewonnene Tradition, ein großes Feuer zu entzünden. Dieses sogenannte Pfingstfeuer symbolisiert einerseits den Heiligen Geist und andererseits wird es auch als Zeichen der Reinigung & Erleuchtung der Gläubigen gesehen.

Das Pflanzen der Pfingstbäume in Niedersachsen

Das Bundesland Niedersachsen ist Vorreiter im Pfingstbäume pflanzen, denn hier werden die meisten frisch geschlagenen jungen Birken mit farbenfrohen Bändern geschmückt, um sie dann einzugraben oder vor den einzelnen Haustüren zu befestigen.

Im Rheinland, in Franken, inSchwaben und im Bergischen Land dagegen, ist zu Pfingsten das Birkenstechen angesagt, ein Brauch, der besonders den Liebespaaren in spe gefallen wird, denn Junggesellen stellen ihren Angebeteten eineverzierte Birke an die Hauswand und hoffen, dass sie erhört werden.

Pfingst-Kirmes ist angesagt

Vieler Orten ist zu Pfingsten eine Kirmes angesagt, aber im Heilbad Heiligenstadt in Thüringen und in Menden im Sauerland hat die Pfingst-Kirmes bereits eine ruhmreiche Tradition, der gerne gefolgt wird.

Pfingstsingen im Bergischen Land

Im Bergischen Land pflegen junge Männer das Pfingstsingen. Dann ziehen sie frohen Mutes und mit einem Lied auf den Lippen von Tür zu Tür, um mit einem Heische-Lied den Pfingstgruß zu übermitteln. Wenn dabei noch Speck, Eier, Schnaps, Tabak und ein wenig Geld „abfallen“, sind sie nicht abgeneigt.

Den „Knoblauch-Mittwoch“ sollten sie nicht verpassen

Wer in Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt zu Pfingsten Urlaub macht und vielleicht noch ein paar Tage dranhängt, kommt gerade zur rechten Zeit. Denn am Mittwoch nach Pfingsten findet dort der Knoblauch-Mittwoch statt.

Warum dieses Ritual nach Pfingsten stattfindet, ist schnell erklärt und hat, man mag es kaum glauben, gesundheitliche historische Gründe. Es wurde nämlich schon früher davon ausgegangen, dass an den Pfingsttagen ausgiebig gefeiert und gegessen wurde, also führte man kurzerhand am vierten Feiertag, dem Mittwoch nach Pfingsten, aus gesundheitlichen Gründen den Knoblauchtag ein.

An diesem Tag widmeten sich die Bürger vermehrt dem gesunden Lauch, in dem sie es verspeisten. In heutigen Tagen wird der Knoblauch-Mittwoch mit einer großen Festtafel auf der Würfelwiese begangen.

Ringstechen – altes Reiterspiel für Kinder

Ein weiterer schöner Pfingstbrauch begegnet uns mit dem Ringstechen, einem alten Reiterspiel für Kinder. Hierzu wird ein Ring an einem Baum-Mast befestigt, und die jungen Reiter versuchen, einen Stab durch den Ring zu werfen. Sieger ist derjenige, der die meisten Treffer erzielt – er wird zum Pfingstkönig gekürt!

Der geschmückte Pfingstochse

Das Schmücken des Pfingstochsens hat nicht nur in Bayern, sondern auch im Bundesland Mecklenburg- Vorpommern eine lange Tradition. Dieser wird in einer Prozession durch den Ort geführt, um dann das erste Mal auf die Weide getrieben zu werden. Dazu wird das größte und kräftigste Tier ausgesucht und mit Stroh, Bändern und Blumen geschmückt.

Aber es gibt auch noch andere Pfingstochsen, zweibeinige …

Zweibeinige Pfingstochsen

Schauen wir auf den altbayerischen und österreichischen Raum, so begegnen sie uns vielleicht, die zweibeinigen Pfingstochsen, denn wer am Pfingstsonntag am längsten schläft, kann schon mal als Pfingstochse bezeichnet werden!

Historienspiel mit Geißbockversteigerung

Ein besonderes Historienspiel freut sich über besonders viele Zuschauer! Dazu müssen die Besucher aber in das rheinland-pfälzische Deidesheim kommen. Hier findet jedes Jahr am Dienstag nach Pfingsten ein altes Stadtfest statt, das in den Grundzügen einem Historienspiel ähnelt. Bei einer Geißbockversteigerung vor dem Deidesheimer Rathaus wird ein Ziegenbock an den Meistbietenden versteigert.

Glauben Sie aber jetzt nicht, dass dem armen Tier der Metzger droht, dieses Volksfest geht auf eine ehemals sehr ernste Abmachung zurück. In dieser muss die Stadt Lambrecht der Stadt Deidesheim jährlich einen Ziegenbock zur Abgeltung von Weiderechten liefern – welches Schicksal das Tier aber dann erwartet, ist ungeklärt.

Sie kennen das „Dreckschweinfest“ noch nicht?

Vorsicht, es wird dreckig und schlammig! Das „Dreckschweinfest“ in Hergisdorf in Sachsen-Anhalt feiert jährlich zu Pfingsten die Vertreibung des Winters und den Sieg des Sommers. Dabei stellen die Pfingstbuschen den Winter dar, suhlen sich in einem Schlammloch oder stoßen sich gegenseitig in den Schlamm.

Dieses Ritual betreiben sie – bis die Läufer, die hier den Sommer symbolisieren, mit ihren langen Peitschen dazwischen fahren und die jungen Burschen aus dem Schlammloch vertreiben. Dieser Brauch geht bis in die vorchristliche Zeit zurück und kann als einer der ältesten erhaltenen heidnischen Pfingstbräuche betrachtet werden. Na, wenn’s denn für einen guten Zweck ist – oder?

Pfingsten ist zwar ein christliches Fest, das 50 Tage nach Ostern gefeiert wird, ist aber auch ein Fest, das nicht nur mit Pfingstprozessionen und Gottesdiensten mit Pfingstgebeten einher geht. Die vielen Brauchtümer aber, die in den unterschiedlichsten Regionen entstanden sind und bis heute gefeiert werden, sind oft Relikte heidnischen Ursprungs. Freuen wir uns alle auf ein Pfingsten, das im Brauchtum als Feier zu Ehren der Natur begangen wird, die gerade in dieser Zeit mit dem Wiedererwachen beschäftigt ist.

Bild: Sabine Schönfeld – Fotolia

Flieder weiß und lila in Weidenkorb

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