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Pfingstbräuche der etwas anderen Art

Pfingstbräuche, die Ihnen vielleicht ein wenig „aus der Art geschlagen“ vorkommen, auch diese gibt es – und nicht zu wenig. Grund genug, sich ihnen doch einmal zu widmen – oder?

Österreich und Deutschland rangieren bei den Pfingstbräuchen auf den vorderen Rängen. Hier begeistert man sich für ein Pfingstfeuer im Allgäu genauso wie für das Pflanzen der Pfingstbäume in Niedersachsen und das Pfingstsingen im Bergischen Land.

Hier suhlen sich nicht nur die Burschen im Dreck, nein, hier wird auch der Pfingstochse genötigt, sich zu schmücken. Und ob das alles noch nicht genug sei, wird ganz zum Schluss noch ordentlich Knoblauch gegessen. Sie zweifeln? Unsere Bräuche zum Pfingstfest möchten Sie vom Gegenteil überzeugen.

10 Pfingstbräuche der etwas anderen Art

#1 Das Pfingstfeuer im Allgäu

Wenn wir an Pfingsten denken, so kommt uns nicht unbedingt ein großes Feuer in den Sinn. Dieses ist dann doch eher dem Osterfest vorbehalten. In einigen Regionen, so beispielsweise im Allgäu, ist es liebgewonnene Tradition, ein großes Feuer zu entzünden. Dieses sogenannte Pfingstfeuer symbolisiert einerseits den Heiligen Geist und andererseits wird es auch als Zeichen der Reinigung & Erleuchtung der Gläubigen gesehen.

#2 Das Pflanzen der Pfingstbäume in Niedersachsen

Das Bundesland Niedersachsen ist Vorreiter im Pfingstbäume pflanzen, denn hier werden die meisten frisch geschlagenen jungen Birken mit farbenfrohen Bändern geschmückt, um sie dann einzugraben oder vor den einzelnen Haustüren zu befestigen.

Im Rheinland, in Franken, inSchwaben und im Bergischen Land dagegen, ist zu Pfingsten das Birkenstechen angesagt, ein Brauch, der besonders den Liebespaaren in spe gefallen wird, denn Junggesellen stellen ihren Angebeteten eineverzierte Birke an die Hauswand und hoffen, dass sie erhört werden.

#3 Pfingst-Kirmes ist angesagt

Vieler Orten ist zu Pfingsten eine Kirmes angesagt, aber im Heilbad Heiligenstadt in Thüringen und in Menden im Sauerland hat die Pfingst-Kirmes bereits eine ruhmreiche Tradition, der gerne gefolgt wird.

#4 Pfingstsingen im Bergischen Land

Im Bergischen Land pflegen junge Männer das Pfingstsingen. Dann ziehen sie frohen Mutes und mit einem Lied auf den Lippen von Tür zu Tür, um mit einem Heische-Lied den Pfingstgruß zu übermitteln. Wenn dabei noch Speck, Eier, Schnaps, Tabak und ein wenig Geld „abfallen“, sind sie nicht abgeneigt.

#5 Den „Knoblauch-Mittwoch“ sollten sie nicht verpassen

Wer in Halle an der Saale in Sachsen-Anhalt zu Pfingsten Urlaub macht und vielleicht noch ein paar Tage dranhängt, kommt gerade zur rechten Zeit. Denn am Mittwoch nach Pfingsten findet dort der Knoblauch-Mittwoch statt.

Warum dieses Ritual nach Pfingsten stattfindet, ist schnell erklärt und hat, man mag es kaum glauben, gesundheitliche historische Gründe. Es wurde nämlich schon früher davon ausgegangen, dass an den Pfingsttagen ausgiebig gefeiert und gegessen wurde, also führte man kurzerhand am vierten Feiertag, dem Mittwoch nach Pfingsten, aus gesundheitlichen Gründen den Knoblauchtag ein.

An diesem Tag widmeten sich die Bürger vermehrt dem gesunden Lauch, in dem sie es verspeisten. In heutigen Tagen wird der Knoblauch-Mittwoch mit einer großen Festtafel auf der Würfelwiese begangen.

#6 Ringstechen – altes Reiterspiel für Kinder

Ein weiterer schöner Pfingstbrauch begegnet uns mit dem Ringstechen, einem alten Reiterspiel für Kinder. Hierzu wird ein Ring an einem Baum-Mast befestigt, und die jungen Reiter versuchen, einen Stab durch den Ring zu werfen. Sieger ist derjenige, der die meisten Treffer erzielt – er wird zum Pfingstkönig gekürt!

#7 Der geschmückte Pfingstochse

Das Schmücken des Pfingstochsens hat nicht nur in Bayern, sondern auch im Bundesland Mecklenburg- Vorpommern eine lange Tradition. Dieser wird in einer Prozession durch den Ort geführt, um dann das erste Mal auf die Weide getrieben zu werden. Dazu wird das größte und kräftigste Tier ausgesucht und mit Stroh, Bändern und Blumen geschmückt.

Aber es gibt auch noch andere Pfingstochsen, zweibeinige …

Zweibeinige Pfingstochsen

Schauen wir auf den altbayerischen und österreichischen Raum, so begegnen sie uns vielleicht, die zweibeinigen Pfingstochsen, denn wer am Pfingstsonntag am längsten schläft, kann schon mal als Pfingstochse bezeichnet werden!

#8 Historienspiel mit Geißbockversteigerung

Ein besonderes Historienspiel freut sich über besonders viele Zuschauer! Dazu müssen die Besucher aber in das rheinland-pfälzische Deidesheim kommen. Hier findet jedes Jahr am Dienstag nach Pfingsten ein altes Stadtfest statt, das in den Grundzügen einem Historienspiel ähnelt. Bei einer Geißbockversteigerung vor dem Deidesheimer Rathaus wird ein Ziegenbock an den Meistbietenden versteigert.

Glauben Sie aber jetzt nicht, dass dem armen Tier der Metzger droht, dieses Volksfest geht auf eine ehemals sehr ernste Abmachung zurück. In dieser muss die Stadt Lambrecht der Stadt Deidesheim jährlich einen Ziegenbock zur Abgeltung von Weiderechten liefern – welches Schicksal das Tier aber dann erwartet, ist ungeklärt.

#9 Sie kennen das „Dreckschweinfest“ noch nicht?

Vorsicht, es wird dreckig und schlammig! Das „Dreckschweinfest“ in Hergisdorf in Sachsen-Anhalt feiert jährlich zu Pfingsten die Vertreibung des Winters und den Sieg des Sommers. Dabei stellen die Pfingstbuschen den Winter dar, suhlen sich in einem Schlammloch oder stoßen sich gegenseitig in den Schlamm.

Dieses Ritual betreiben sie – bis die Läufer, die hier den Sommer symbolisieren, mit ihren langen Peitschen dazwischen fahren und die jungen Burschen aus dem Schlammloch vertreiben. Dieser Brauch geht bis in die vorchristliche Zeit zurück und kann als einer der ältesten erhaltenen heidnischen Pfingstbräuche betrachtet werden. Na, wenn’s denn für einen guten Zweck ist – oder?

#10 Suppenbrunzer

Also, es gibt Pfingstbräuche, die nicht nur zum Schmunzeln einladen – nein, bei diesem ist ein Lachen aus voller Kehle vielleicht vorprogrammiert.

Wenn sich die Eisheiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und last but not least, die heilige Sophie erst einmal zurückgezogen haben, dann ist es nicht mehr weit, das Pfingstfest – und vielleicht lässt ein Pfingstbrauch, nämlich der Suppenbrunzer, auch Sie ganz besonders schmunzeln!

Wer jetzt vielleicht Schlimmes und Unheilvolles denkt & ahnt, wird bei genauem Hinsehen bald eines besseren belehrt. Entgegen dem ersten Eindruck handelt es sich beim Suppenbrunzer um kein Schimpfwort, sondern um einen alten Dialektausdruck für verschiedene Gegenstände, die in einer Essecke über dem Tisch hängen.

So kann es schon sein, dass es einem passiert, dass Heilig-Geist-Tauben, aus Zirbenholz oder Zitterpappel geschnitzt, als traditioneller Segenbringer beim Mahl zuschauen.

Denn eigentlich heißt der Suppenbrunzer Heilig-Geist-Kugel und ist eine Glaskugel, die zu Pfingsten in der guten Stube aufgehängt wird. Im Innern der Kugel befindet sich eine geschnitzte Taube als Symbol für den Heiligen Geist.

Die Taube steht für die Entsendung des heiligen Geistes zu Pfingsten und soll im „Herrgottswinkel“ oder über dem Esstisch schwebend, reichlich Segen ins Haus bringen.

Wurde früher aus einem großen Suppentopf, der in der Mitte des Tisches stand, gelöffelt, stieg der Suppendampf auf, sammelte sich unter der Glashaube und tropfte anschließend von dieser wieder in den Topf zurück.

Natürlich ist dies, physikalisch gesehen, kein Weltwunder, denn bei heißen Speisen, speziell Suppen, steigt der Dampf auf und sammelt sich, wie in diesem Fall, an der Holzfigur.

Dieser kondensierte Dampf tropft dann in der Folge ganz unspektakulär zurück in die Suppenschüssel – aber im Volksglauben hat damit der Heilige Geist in die „Supp’n brunzt“ und sie gesegnet.

Die Heilig-Geist-Kugel oder der „Suppenbrunzer“ rückt im Bayerischen Wald und in Österreich jedes Jahr zu Pfingsten als ein althergebrachter Kunstgegenstand wieder in den Fokus und steht für echte Volkskunst…

Die Taube gilt bereits seit frühchristlicher Zeit als Symbol für den heiligen Geist. Als Ausdruck tiefer Volksfrömmigkeit war die Heilig-Geist-Kugel bis zum Ende des 19. Jahrhunderts sowohl im Bayerischen Wald als auch im Oberpfälzer Wald und im Berchtesgadener Land überaus beliebt und sehr weit verbreitet. Teufel und böse Geister hatten keine Chance, denn sie galt als sinnbildlicher Schutz.

Pfingsten ist zwar ein christliches Fest, das 50 Tage nach Ostern gefeiert wird, ist aber auch ein Fest, das nicht nur mit Pfingstprozessionen und Gottesdiensten mit Pfingstgebeten einher geht.

Die vielen Brauchtümer aber, die in den unterschiedlichsten Regionen entstanden sind und bis heute gefeiert werden, sind oft Relikte heidnischen Ursprungs. Freuen wir uns alle auf ein Pfingsten, das im Brauchtum als Feier zu Ehren der Natur begangen wird, die gerade in dieser Zeit mit dem Wiedererwachen beschäftigt ist.

Bild: Sabine Schönfeld – Fotolia

Flieder weiß und lila in Weidenkorb

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