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Perlenstrickerei

Was wäre die Trachtenmode ohne die Perlenstrickerei?

Die Leidenschaft für einen traditionellen Perlenbeutel – hat diese auch Sie gepackt?

Perle um Perle wird damit zu einem kleinen Kunstwerk, und die Tradition des Perlenstrickens gerät so nicht in Vergessenheit. Egal, ob Perlenbeutel, Perlentasche oder Geldbörse, schön, dass man auch heute noch solche alten Traditionen pflegt, oder?

Aufgefädelt wird schon seit Jahrhunderten und feine Accessoires aus Perlen zierten nicht nur die Garderobe. Die „Peyote-Technik“, übrigens eine einfache Webtechnik, die nur mittels Nadel, Faden und Perlen ausgeführt wird, brachte auch Hals- und Armbänder hervor. Runde Perlen, sogenannte „Rocailles“, zieren auch kleine Beutel und ganze Accessoire-Sets. Für die beliebten „Trachten-Kropfbänder“ und traditionelle Armbänder werden wiederum „Delicas“, flache Perlen, verarbeitet.

Ursprünglich kamen die feinen Glasperlen in den vielfältigsten Farbnuancen aus Venedig. Etwas später besannen sich auch die Böhmen auf diese Kunst. Die filigranen, bunten Kunstwerke wurden auf Leinen-, Baumwoll- oder Seidengarn gefädelt, wobei auch die Motive für die Perlendekore schnell zur Hand waren. Diese fand man zuhauf in der Natur, auf Teppichen oder auch auf Gemälden.

Im 20. Jahrhundert kamen auch noch die Postkarten als Fundgrube hinzu. Besonders beliebt waren dabei Blumendekore. Diese wurden zunächst auf kariertes Papier, die sogenannten Mustervorlagen, gemalt, wobei jedes Kästchen auf dem Karo-Papier für eine Perle stand. Das „Perlenstricken“ nahm Gestalt an, wenn die Perlen, Kästchen für Kästchen, aufgefädelt wurden.

So manches Mal können Sie sie noch in Antiquitätengeschäften, Museen oder auf Flohmärkten finden: Mustervorlagen, an denen der Zahn der Zeit schon ein wenig genagt hat. Doch nur so ist es möglich, die schöne Handarbeitstechnik der Perlenstrickerei von Generation zu Generation weiter zu vererben.

Warum wurden Beutel benutzt?

Wussten Sie eigentlich schon, dass Kleidungsstücke ursprünglich keine Taschen besaßen? Männer wie auch Frauen trugen ihre Wertsachen vorwiegend in einem Leder- oder Stoffbeutel bei sich.

Von jeher sagt man Frauen ja nach, dass sie besonders erfinderisch sind. Denn Frauen verbargen ihre „Schätze“ auch häufig unter den üppigen Röcken ihrer Kleider. Bis die Französische Revolution, von 1789 bis 1799, diese Mode gründlich reformierte. Diese Zeit brachte es mit sich, dass die gerafften, voluminösen Röcke durch gerade geschnittene, faltenfreie Kleider ersetzt wurden.

Die kleinen „Schatzbeutelchen“ wurden nun, gut sichtbar, an Kordeln oder Ketten sowohl am Handgelenk als auch am Zugband des Kleides unter der Brust getragen. Dadurch erfuhren sie eine größere Beachtung. Der Grundstein zu einer aufwendigen Dekoration war somit gelegt.

Beutel wurden daher bald zum beliebten Accessoire. Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts – die Zeit des Biedermeier – brachte es mit sich, dass Perlenbeutel in Mitteleuropa weit verbreitet waren. Dabei orientiert sich ihre Form seit jeher am geblümten Stoffbeutel der Marquise de Pompadour, die von 1721 bis 1764 lebte.

Aber auch die Männer standen diesem Boom in nichts nach, denn auch sie waren aus Perlen gefertigten Tabaksbeuteln schnell erlegen. Perlen wurden gestrickt, gewebt und gestickt, und Ende des 19. Jahrhunderts wurden die kleinen Glasperlen sogar zum Häkeln verwendet.

Auch die Trachtenmode glänzt seit diesen Tagen mit Perlenaccessoires in Form von Beuteln, Handschuhen, Strümpfen, Armstulpen und den beliebten Kropfbändern.

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts spricht man auch von einer deutschen Perlenindustrie. In Schwäbisch Gmünd in Württemberg, später auch in Seligenstadt in Hessen sowie im Erzgebirge strickten oder häkelten Frauen Perlenbeutel und Perlentaschen in Heimarbeit. Dabei wurden sie durch die ortsansässigen Firmen mit Mustervorlagen und den notwendigen Materialien versorgt.

Oftmals waren es auch die Kinder, die beim sehr mühevollen Auffädeln der Perlen halfen. In Zeiten wirtschaftlicher Not war es den Frauen so möglich, einen kleinen Beitrag zum Familieneinkommen zu leisten. Rührige und teils auch gewiefte Händler, die nur ihren eigenen Vorteil sahen, verkauften diese schmucken Accessoires dann überwiegend in das nordeuropäische Ausland. Intensive Handelsbeziehungen wurden damals auch zu den Niederlanden gepflegt.

Das Jahr 1867 brachte die Erfindung des ersten Perlenwebstuhls mit sich. Ein gewisser Bruno Schneider, ansässig im sächsischen Buchholz, dem heutigen Annaberg-Buchholz, initiierte einen grandiosen Technikschub, so dass ein neuer Standort der Perlenindustrie in Deutschland heranwachsen konnte…

Es folgten Jahre der Stagnation, und endlich, Anfang des 20. Jahrhunderts, erlebte die Perlenindustrie nochmals ein kurzzeitiges Aufblühen. Werkstätten in Leipzig, Berlin, München und Dresden folgten, so dass die in jener Zeit gefertigten Perlenbeutel und Perlentaschen einen Großteil der Produktion nach Übersee abdeckten.

Wie werden Perlenbeutel gestrickt?

Das Stricken von Perlenbeuteln geht heute auch einher mit der Verwendung von Häkelgarn. Farbe & Dicke wird dann natürlich passend zu den Perlen ausgewählt. Die Stärke der Stricknadeln sollte „nur“ 0,75 bis 1,0 mm betragen. Dieses Arbeiten, mit äußerst feinen Nadeln, erfordert eine Menge an Fingerspitzengefühl.

Zum Auffädeln der kleinen Perlen findet eine sogenannte Big Eye – Nadel Verwendung, die besonders dünn ist. Ein weiteres Novum ist, dass sich diese spezielle Nadel aufklappen lässt, so dass sich der Faden zwischen die Nadelhälften legen lässt – um sie dann wieder zu schließen.

Das Procedere des Perlenauffädelns – Kästchen für Kästchen und Reihe für Reihe – verlangt große Aufmerksamkeit und vor allem viel Geduld! Schon bei einer fehlenden oder falsch aufgereihten Perle kann es passieren, dass das gesamte Muster nicht mehr stimmt.

Hilfestellung können dabei kleine Papierstücke leisten. Fädelt man diese, zwischen die einzelnen Strickreihen, mit auf den Faden, so wird es möglich, das Muster leichter nachzuzählen. Sollte es dennoch passieren, dass beim Stricken Perlen auf der Schnur fehlen, so wird der Faden an der entsprechenden Stelle einfach durchgeschnitten.

Auf diese Weise können die Perlen eingefügt und die Fadenenden miteinander verknotet werden. Sollten Sie dann eine Perle zu viel auf der Schnur haben, lässt sich diese ganz einfach mit einer Zange zerdrücken, um sie dann zu entfernen.

Haben Sie Lust auf viele bunte Perlen bekommen? Nehmen Sie das Projekt in die Hände, suchen Sie sich eine karierte Mustervorlage, um daraus vielleicht einen Perlenbeutel mit Rosendekor und einem gehäkelten Kordelzug entstehen zu lassen.

Entsprechende Kurse werden heute übrigens wieder angeboten!

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