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Bauernleinen

Was ist Bauernleinen?

Es ist schön, ein wenig „unangepasst“, aber überaus langlebig & nachhaltig – das Bauernleinen!

Das Bauernleinen übt auch heute noch – genauso wie zu früheren Zeiten, als Leinenstoffe auf große Ballen gewickelt, einen Teil der Aussteuer darstellten – einen ganz besonderen Reiz aus.

Der Begriff „Bauernleinen“ definiert ein Leinengewebe, das aus schweren gröberen Garnen mit meist unregelmäßiger Struktur durch ab und zu auftretende Garnverdickungen hergestellt wird. Dabei sind Gewichte zwischen 280 und 450 g/qm keine Seltenheit.

Heute natürlich längst maschinell gewebt, entspricht Bauernleinen in seiner Wirkung und Haltbarkeit immer noch den handgewebten, alten Leinenstoffen, welche die Flachsbauern früher für ihren eigenen Bedarf herstellten.

Im vorletzten Jahrhundert wurden die Webarbeiten vor allem von den Bäuerinnen und Mägden in den Wintermonaten übernommen. Glücklich schätzen sich die Familien, die auch heute noch auf einen Vorrat an altem Leinen zurückgreifen können, das ihnen von Groß- oder Ur-Großmutter vererbt wurde.

Woran erkennt man altes Leinen?

Altes Leinen – dieser Begriff greift erst, wenn der Webstoff mindestens 50 Jahre alt ist. Meist weist es dann auch eine Breite von 45 bis 75 cm auf, was ein Indiz für die Arbeit auf einem Handwebstuhl ist.

Selbst die Ballenlängen, die zwischen 8 und 12 Metern liegen, sind ein Hinweis darauf, dass es sich um ein Leinen handelt, das von Hand gesponnen und gewebt wurde. Dies geschah meistenteils auch direkt auf dem Hof, der den Flachs anbaute.

Charakteristisch für altes Leinen ist auch der dichte Anschlag der Schüsse und damit des gesamten Gewebes. Meist mit einem rips-ähnlichen Charakter aufwartend, erscheinen die Schüsse oft dicker und knotiger als die Ketten. Oft wurde altes Leinen auch für Haushaltstücher gewebt, die dann eine leicht gemusterte Optik mit einem ausgeprägten Rand und einer Breite von 40 bis 45 cm aufwiesen.

75 cm bis maximal 90 cm breites Leinen wurde z.B. für große Betttücher zusammengenäht, um die „Doppelschläfrigkeit“ von notwendigen 1,60 m zu garantieren. Allerdings sollte altes Leinen, das einen Eierschal- bzw. beige-grauen Ton aufweist und häufig mit „Stockflecken“ übersät ist, stets trocken und abgeschlossen gelagert werden.

Grobes Bauernleinen – auch als Bauernleinwand bezeichnet – ist ein beliebter Stoff, der eine hohe Festigkeit aufweist. Aus ihm wurde vorrangig Bettwäsche, aber auch Tischwäsche hergestellt, da er jahrhundertelang der einzige kochfeste Webstoff war.

Das alte Bauernleinen ist auch in heutigen Tagen sehr beliebt. Kenner sind ständig auf der Suche nach ihm, denn weist es doch durch unvergleichliche Qualität und wundervolle Patina den Charme einer Antiquität auf. Zu etwas ganz Besonderem wird es, wenn ein sonst modern eingerichteter Raum mit einer außergewöhnlichen Tischdekoration oder unkonventionellen Vorhangbahnen aufwarten darf.

Legendäres altes Leinen – Weberhausmuseen

Menschen, die in einer dörflichen Umgebung aufwuchsen, kennen die Weberhausmuseen, die die Lebensumstände der früheren Handweber eindrucksvoll zeigen.

Ein typisches Kleinbauern- und Handwerkshaus, befindet sich im östlichen Frankenwald in Neudorf-Schauenstein und ist größtenteils so eingerichtet, wie es sein letzter, 1964 im Alter von 85 Jahren, verstorbener Bewohner hinterlassen hat.

Zu besichtigen gibt es neben dem voll funktionsfähigen Webstuhl viele zur Handweberei gehörende Gerätschaften. Es verlangt einem heute viel Achtung ab, wenn man sieht, in welchen bedrängten Verhältnissen die Handweber früher leben mussten und dass ein gusseiserner Ofen die einzige Heizquelle im Haus für Wohn- und Arbeitsraum war.

Früher war es üblich, die eigene Ernte zu verspinnen, das Garn im Winter zu verweben oder es ggf. zum Weber zu geben. Und auch die Aussteuer kam bis 1900 um ein Spinnrad mit Haspel, einen Leinen-Webstuhl, Leinenstoffe und selbstgefertigte Leinenhemden nicht herum.

Verschleißarm & reißfest, diese Eigenschaften schätzten die Menschen damals am Leinenstoff – sodass gewebtes Bauernleinen nicht nur als sehr wertvoll galt, sondern auch zu den Vermögenswerten eines Hauses gehörte.

Bauernleinen – grundsolide, ehrlich und natürlich – weist auf jeden Fall einen schönen, alten, wertvollen Charakter auf!

Foto: Shebeko – Depositphoto

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