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Faszinierende Vintage Bauernstoffe

Unser Blick wird meist etwas träumerisch, wenn weißes Leinen, feiner Damast oder auch grober Nessel ihren Weg kreuzen. Diese Textilien, die häufig unseren ländlichen Vorfahren zuzuordnen sind, erfreuen sich heute wieder größter Beliebtheit. Doch haben wir uns eigentlich auch schon mal gefragt, wie diese Stoffe damals hergestellt wurden? Denn zu dieser Zeit gab es noch keine maschinellen Produktionsstätten.

Bauernstoffe, die uns auch heute noch faszinieren

Historische Gemälde belegen es noch – die Herstellung von Garn war äußerst mühselig. Um das Jahr 1750 herum, wird das Vlies noch im Kessel gewaschen, am Spinnrad fleißig gesponnen und das fertige Garn dann aufgezogen, um daraus Bauernleinen und Baumwollstoffe herzustellen. Überhaupt haben sich weißes Bauernleinen und verschieden schlicht bedruckte Bauernstoffe bis heute ihren Reiz erhalten, denn der ländliche Wohn-Stil ist durchaus en vogue.

Mehr noch, die natürliche Beschaffenheit von Textilien gehört sogar zu den zentralen Themen eines ländlichen Stils im häuslichen Ambiente. Oftmals aus reinen pflanzlichen oder auch tierischen Fasern bestehend, verleihen sie Räumen eine rustikal-einfache Atmosphäre. Denn sie ist wohltuend für die Sinne.

Haben Sie schon einmal einen Blick in einen Wäscheschrank geworfen, in dem sich blütenweiße Träume stapeln? Dabei kann es sich um weißes Bauernleinen, ungebleichten Nessel, fein gemusterten Damast, karierte Baumwoll-Tischwäsche oder gediegenes Barchent handeln.

Wecken diese Stoffe nicht auch bei Ihnen Assoziationen an die gute alte Zeit? Eine vergangene Zeit, in der noch viel Wert auf eine solide Verarbeitung und gute Materialien gelegt wurde? Sie sind unzweifelhaft sehr schön, diese Tuche, die schon unsere bäuerlichen Vorfahren hatten. Sie dienten dazu, die gute Stube zu schmücken, sowie die Plumeaus, die halblangen und dickeren Federbetten, stilgerecht zu beziehen.

Wie wurden Bauernstoffe damals hergestellt?

Die Geschichte des textilen Handwerks ist geprägt durch jahrhundertalte, nein, man kann schon sagen, jahrtausendalte Erfahrungen, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Wagen wir einen Blick zurück ins Mittelalter, so wird schon deutlich, dass es im Wesentlichen die Künste des Webens und des Spinnens waren, die eine lange bäuerliche Tradition, sowohl im häuslichen Bereich als auch in Manufakturen, erkennen lassen.

Auffällig ist auch, dass die technischen Verfahren ständig verbessert und verfeinert wurden. Und, es ist eigentlich kaum zu glauben, aber bereits im 13. Jahrhundert wurde eine der ältesten Erfindungen der Welt, die der Handspindel, von dem arbeitsintensiveren Spinnrad abgelöst.

Fortan ging es eifrig zu in den bäuerlichen Anwesen, denn dort schnurrten die Räder emsig um die Wette, und die Frauen spannen aus Rohmaterialien, wie Schafhaar oder Flachs, Woll- oder Lein-Garn. Aber auch aus Nesseln und Hanf wurden Fasern hergestellt.

Spätestens im Hochmittelalter, so um 1050 bis 1250 und mit Beginn des Zunftwesens, gab es auch Gewinner. Denn Flachs- oder Leinfasern hatten den Sieg für sich vereinnahmt. Damals verschwand die heimische Brennnessel als ein natürlicher Rohstoff völlig und der Nutz-Hanf fand nur noch für grobe Sackleinwand und Seile Verwendung. Die Vorteile des Flachses aber, lagen auf der Hand – er war gut teil- und sehr fein verspinnbar.Ein Gesichtspunkt, der angesichts der vielen Mühsal bei der Faserherstellung nicht unwesentlich war!

Viele Arbeitsschritte waren notwendig, um aus meterhohem Flachsstroh eine gebrauchsfertige Leinfaser zu schaffen – erst, als dieser Prozess bewältigt war, also das Raufen, Trocknen & Riffeln, Rösten, Brechen, Schwingen und Hecheln seinen Abschluss gefunden hatte, konnte das nun gewonnene Garn zum Weben am heimischen Webstuhl verwendet werden.

Die Leinenweberei war bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts ein wichtiger Erwerbszweig in vielen ländlich geprägten Gebieten. Dabei spielten die günstigen Bedingungen für den Flachsanbau und die Schafzucht, die in den deutschen Mittelgebirgen, wie der Eifel, der Schwäbischen Alb und dem Erzgebirge, vorhanden waren, eine nicht unerhebliche Rolle. Die Entwicklung der textilen Heimindustrie nahm ihren Lauf.

Meist wollten sich landlose Bauern zu ihrem kargen Auskommen noch etwas dazuverdienen. Aber das heimische Leinen wurde Anfang des 19. Jahrhunderts vermehrt durch die aus Asien eingeführte Baumwolle verdrängt. „Cotton“ oder „Kattun“ hierzulande, nannte sich jetzt die wichtigste Gewebefaser!

Blau, Rot und Weiß punkten als bäuerliche Farben

Die große Anzahl der einzelnen Webverfahren brachte es mit sich, dass sich im Laufe der Jahre auch viele Muster entwickelten. So kam durch ein schlichtes Bauernkaro die sogenannte Gesindewäsche zu neuen Ehren. Dabei war blau-weiß oder rot-weiß karierte Bettwäsche den Knechten und Mägden auf den großen Bauernhöfen vorbehalten, während die Bauersleute in Damast „schlummerten“. Bäuerliche Wäschestücke wurden aber auch gerne mit aufgedruckten Motiven verziert.

Irgendwann aber lief die Buntstickerei, der Weißstickerei den Rang ab, und rote oder blaue Sinnsprüche wurden auf weißen Baumwollgrund gestickt. Nach wie vor gehört die Buntstickerei zur traditionellen bäuerlichen Textilkunst. Dabei wird blaues oder rotes Garn auf weißem Leinen-, Barchent- oder Baumwollgrund gestickt.

Und auch die edlen Klöppelspitzen, vorwiegend im Erzgebirge und in Franken hergestellt, erfanden sich wieder neu. Wie der Damast waren sie aber nur den betuchten Bauern vorbehalten. Um schöne Wäschestücke für die Ewigkeit und namentlich zu kennzeichnen, kamen auch Monogramme, oft zur Aussteuer auf die Wäsche gestickt, wieder in Mode.

Die bewährten Bauernstoffe wurden traditionell auch im sogenannten Blaudruckverfahren mit floralen Motiven verschönert. Und auch die sehr beliebten aufgestickten Sinnsprüche auf weißem Leinengrund schafften es irgendwann einmal, dass man sie sich über das Sofa hängte, wo sie auch heute noch einen besonderen und traditionellen Blickfang darstellen.

Bild: Horváth BotondАнна Журавлева – stock.adobe.com

Alte Bauernstoffe auf Holztisch

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