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Eine Tracht als hart erarbeiteter Lohn

Eine Tracht als hart erarbeiteter Lohn – kaum zu glauben, aber wahr!

Der Frau von heute fällt es schwer, zu glauben, dass eine Tracht  in früheren Tagen als hart erarbeiteter Lohn galt. Oft wird bei knisterndem Kaminfeuer und einer Tasse Tee von solchen Zeiten berichtet, die allzu fern scheinen. Die kühlere Jahreszeit bringt es jetzt wieder mit sich, dass viel Wert auf Gemütlichkeit und entspannte Stunden gelegt wird. Nicht selten trifft man sich in dieser Zeit mit
Freundinnen, die alle ein gemeinsames Hobby verbindet.

Viele haben sich dabei der traditionellen Kleidung verschrieben und stellen das Brauchtum an die erste Stelle. Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie viel handwerkliches Geschick in der traditionellen Kleidung steckt?

Tracht & Co. verdienen schon einen kleinen Blick hinter die Kulissen, denn oft ist man sich dessen gar nicht so bewusst! Denn es steckt viel Liebe zum Detail in einer Tracht.

Altes Handwerk als Details an der Tracht

Oft sind es die stillen Momente, die uns zur Reflexion dienen. Eine heiße Tasse Tee, das Glockengeläut einer zufrieden grasenden Viehherde, ein altes gemütliches Bauernhaus und die Mythen, die sich in den wolkenverhangenen Himmel erheben.

Wer in solch einer Atmosphäre leben darf, hat eigentlich den Himmel auf Erden – oder? Heute, wo die elektronische Beschallung fast kein Ende nimmt, vielleicht, aber wie war es zu früheren Zeiten?

Heute ist man begeistert und fasziniert, wenn man altes Handwerk in den Händen hält. Wer es in der Familie überliefert bekam, frönt auch heute dem Klöppeln, Sticken und Nähen.

Klöppeln. Heimantmuseum Annerod

Apropos Sticken, die heutige „Bauersfrau“ klagt oft darüber, dass dieses Hobby nur im Winter möglich ist, da der feine Seidenfaden im Sommer an den Fingern hängen bleibt, die durch die viele Arbeit oft rau sind. Natürlich fordern zum Beispiel ein großer Milchwirtschaftsbetrieb und viele Tiere ihren Tribut.

Und zu oft helfen dann auch die Mittelchen, die Hände zart & weichmachen sollen, nicht mehr. Meist sind es auch die älteren Frauen einer Dorfgemeinschaft, die sehr viel zu erzählen haben, und die jüngeren hängen gespannt und fasziniert an ihren Lippen.

Grundstock für die erste Tracht

Emil Rau Dirndl in SonntagstrachtEs ist bestimmt kein Märchen, wenn heute in alten Anekdoten gestöbert wird, die davon erzählen, dass Bergbauerntöchter früher vielfach keine übliche Lehre machten. Stattdessen arbeiteten sie im Sommer zu Hause und im Winter waren ihre Dienste als Haushaltshilfe sehr gefragt.

Wenn es sich eine Familie leisten konnte, wurde so der Grundstock für die erste Tracht gelegt. Nicht selten waren diese Mädchen überglücklich, wenn sie mit 18 Jahren ihre erste Werktagstracht bekamen. Diese diente aber auch gleichzeitig als Lohn!

Heute sind aus diesen Mädchen gestandene Frauen geworden, die sich sowohl in Trachtengruppen als auch als in Trachtenkommissionen wiederfinden. Und sie schwärmen davon, dass mit dem Trachtenkleid alle gleich sind, vom Doktor bis zum Handwerker.

Gesprächsstoff? Den gibt es in diesen gemütlichen Runden immer. Trachten, Handwerk und Musik bestimmen heute oft das Leben der Best Ager, denn viele von ihnen sind schon mehrfache Großmütter. Vielen tut es auch gut, ihr Herz einmal unter Gleichgesinnten zu öffnen, denn sie finden, dass die Zusammenarbeit untereinander noch fast wertvoller sei, als der traditionelle Anlass selbst. Nicht wenige Freundschaften in diesem Kontext halten ein Leben lang.

Die Anzahl der Trachten in den Schränken dieser Damen ist kaum noch zu zählen. Vielfach sind es über 30 Stück! Und so mancher „Heimweh-Trachtenliebhaber“, der die heimatlichen Gefilde wieder besucht, ist froh, aus einem Fundus von Freunden & Bekannten schöpfen zu können, wenn es gilt, festliche Anlässe zu bestreiten.

In diesen traditionellen Haushalten findet sich oft eine große Kiste voll mit Erbstücken, Liebgewonnenem und Trachten-Zubehör, und nicht selten versinken Trachtenfans beim Anblick in ihrer ganz eigenen Welt. Einer Welt, die voll Geschichten zur Tracht ist und die Liebe zum Detail in feiner Handarbeit und gediegener Vollkommenheit zeigt!

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