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Dirndl-Mythen aufgedeckt

Das Dirndl – eine heimliche Mogelpackung?

Es hält sich hartnäckig das Gerücht, das Dirndl wäre eine „Mogelpackung“.  Hier ist Mann der Meinung, Frau würde immer eine gute Figur darin abgeben. Recht hat er – oder?

Wie kommt man eigentlich darauf, eine Frau im Dirndl als größte Mogelpackung, die die Welt je gesehen hat, zu titulieren? Neid? Missgunst? Vielleicht ist es ja auch nur der Spaß an der Freud, der Männer philosophieren lässt – oder? Würde man Männer drauf ansprechen, würden sie diese Sichtweise natürlich etwas herunterspielen, aber was ist wirklich dran an der Tatsache, ein Dirndl steht jeder Frau, egal, ob Zero oder XXL?

„D“ wie Dirndl – eine Spurensuche!

Das Dirndl-ABC ist nicht die schlechteste Anlaufstelle, um dem Phänomen auf den Grund zu gehen. Unser heutiger Trachtenhype hatte mit der Landhausmode seinen Beginn genommen. Der etwas stolprige Weg führte dann über untraditionelle Minidirndl zu einem gehobeneren Stil.

Allerdings behaupten Insider seit neuestem, dass die Pracht der Tracht wieder langsam verblassen würde. Nun, wir Schließen uns dieser „Schwarzmalerei“ nicht an und behaupten einfach: Allen Unken-Rufen zum Trotz, die Tracht und mit ihr das Dirndl, das uns so glücklich macht, lebt!
Dirndl Mythen

Das Dirndl und die Dirndl-Mythen, die sich darum ranken

Die Anfänge des Dirndls sahen alles andere, als erfolgversprechend aus. Ursprünglich als Arbeitskleid der weiblichen Bediensteten deklariert, bestand es aus einem einfachen Oberteil, einer Bluse, einem weiten Rock und einer bunten Schürze. So gesehen ist das Dirndl ein Traditionskleid, das von der alten dörflichen Frauen-Tracht inspiriert wurde. Das 19. Jahrhundert brachte es mit sich, dass Dirndl als Freizeitkleidung der Aristokratie entdeckt wurden, ehe sich im 20. Jahrhundert die Tracht zum internationalen Symbol alpenländischer Tradition entwickelte.

Salzburg und der Dirndl-Boom

Salzburg – hieß die Stadt, in der das Dirndl in den 1920-er Jahren einen regelrechten Dirndlboom feierte. Nicht nur die weiblichen Einheimischen zeigten sich gerne in ihm, sondern auch viele berühmte Persönlichkeiten und Gäste bei den Salzburger Festspielen. Internationaler Ruhm war ihm beschert, als in den 1930er-Jahren der Welterfolg der Operette „Im weißen Rössl“ gefeiert wurde.

Jedoch erkannten auch die Nationalsozialisten das Propagandapotenzial des heimat- und traditionsverbundenen Kleidungsstils. Besonders den unterschiedlichen Trachtenvereinen ist es zu  erdanken, dass die Trachtenkultur ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundertes zu neuem Leben erweckt wurde. Sehr zum Leidwesen vieler Traditionalisten, ist die heutige Tracht zu einem umsatzstarken Industriezweig der Modebranche avanciert. In solch einem Falle sagt man wohl: Geschmäcker sind verschieden!

Aber, es ist kein Trübsal blasen angesagt, ferner hinterfragen wir einfach einmal, was es mit den Dirndl-Mythen auf sich hat, die sich so hartnäckig halten? Stimmt es also, dass…?

1. Mythos – Das Dirndl ist die traditionelle bayerische oder österreichische Tracht

Woher stammen sie denn nun, die beliebten Dirndl? Die scheinbare Ableitung ist denkbar einfach, denn beim Dirndl handelt es sich um eine verniedlichte Form des Wortes „Dirne“, einer altmodischen Bezeichnung eines jungen Mädchens. Wer jetzt Parallelen zu einer Prostituierten sieht, liegt völlig falsch, aber Bayern und Österreich zeigen uns auch, dass hier eine in der Landwirtschaft beschäftigte Dienstmagd als „Dim“ bezeichnet wurde. Als ein logischer Schluss könnte demnach gelten, dass ein Dirndl die Tracht einer Magd war.

Diese Mutmaßung stimmt aber nur zum Teil, denn zunächst handelte es sich beim Dirndl wirklich um eine Dienstbotentracht, die pflegeleicht, nett & adrett sein sollte. Auch musste der Rock weit sein, um Bewegungsfreiheit zu ermöglichen, aber ohne viel Bein zu zeigen. Berührungspunkte zur traditionellen bayerischen Tracht, die eher prunkvoll und verspielt war, gab es wenig oder keine, denn Trachten zeichnen sich ja durch besondere Farbkombinationen, Schnitte und regionale und historische Bezüge aus. So kann man davon ausgehen, dass ein Dirndl, wie es heute getragen wird, in seinem Stil zwar von der Tracht inspiriert wurde, aber oftmals keine echte Trachten ist.

2. Mythos – Das Dirndl war ursprünglich die Bekleidung der Landbevölkerung

Wen wundert es jetzt, wenn wir behaupten, dass Dirndl ursprünglich fast ausschließlich von Städtern getragen wurden? Dirndl, die vom Land stammen, sind also Fehlanzeige. Stattdessen erfreuten sie sich Ende des 19. Jahrhunderts einer großen Beliebtheit bei der urbanen Oberschicht, jener Bevölkerungsgruppe, die allzu gerne in die „Sommerfrische“ aufs Land fuhr. Die Aristokratie verbrachte hier ihren Urlaub und wollte sich nur vermeintlich ländlich kleiden. Das Dirndl ist also eine Interpretation der Stadtbevölkerung von ländlicher Kleidung.

3. Mythos – Das Dirndl ist bereits viele Jahrhunderte alt

Schätzungsweise ca. 150 Jahre ist es her, dass die große Beliebtheitswelle des Dirndls hereinbrach. Es ist also ein doch sehr junges Phänomen, das viele Trachtenliebhaber überraschen wird, die „mehr Geschichte“ dahinter vermuten…

4. Mythos – Auf der Wiesn wird traditionell Dirndl getragen

Selbst die jüngere Vergangenheit zeigte, dass das Tragen eines Dirndls noch nicht so lange „in“ ist. Kaum eine junge Frau hätte sich in den 70-er Jahren in einem Dirndl gezeigt. Der Durchbruch kam erst in den Neunzigern, als das Dirndlkleid einen völlig neuen modischen Aufschwung erlebte, denn plötzlich wurde es in sämtlichen Kreisen gesichtet. Dennoch gibt es keine zwingende Verbindung zwischen einem Dirndl und der Wiesn. Wenn nun behauptet wird: „Auf die Wiesn nur im Dirndl!“ , so kann getrost widersprochen werden, denn korrekterweise darf es ein Dirndl sein, muss aber nicht!

All dem zum Trotz: Das Dirndl hat nichts von seinem Charme eingebüßt. Für Frauen ist es oft das Nonplusultra, und wenn Männer so wollen, auch die Mogelpackung. Ein fesches Dirndl im Dirndlkleid, das ist, was uns glücklich macht!

Bild: WoGi – Fotolia

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