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9 bekannte Redewendungen

Redewendungen sind ein fester Bestandteil unserer Alltagssprache. Oftmals wissen wir aber gar nicht, welchen Ursprung so manche Redewendung hat.

Wir beleuchten hier einige beliebte Redensarten. So erfahren Sie nicht nur mehr über ihre Bedeutung und Herkunft, sondern können auch neue Ideen für Ihren Wortschatz sammeln.

9 beliebte Redewendungen

#1 Den Löffel abgeben

Gerade im Wienerischen, das für seine morbide Ausdrucksweise bekannt ist, wird diese Redensart gerne verwendet. Ursprünglich aus dem Mittelalter wird mit ihr das Sterben bezeichnet.

Zu Zeiten als es noch kein Besteck gab, wie wir es heute kennen, sondern hauptsächlich mit den Händen gegessen wurde, waren Löffel heiß begehrt. Jeder, der etwas auf sich hielt, hatte seinen Löffel am Besteckgürtel immer mit dabei. Nach dem Essen wurde er durch Abschlecken gesäubert und war so wertvoll, dass er nicht aus der Hand gegeben wurde. Erst mit dem Tod wurde „der Löffel abgegeben“ und weitervererbt.

#2 Asche auf mein Haupt

Wenn etwas mächtig daneben gegangen ist, ist das „Asche auf mein Haupt“ nicht weit. Doch warum müssen die grauen Rückstände eigentlich auf den Kopf gestreut werden, wenn man seine eigene Schuld eingesteht?

Eine Erklärung für diese Redensart findet man im Christentum. In diesem gilt Asche nämlich als Zeichen für Trauer, Buße und Umkehr. In religiöser Hinsicht steht der Verbrennungsrückstand organischen Materials zudem für die seelische Reinigung und einen Neuanfang.

Laut einem überlieferten alten Brauch wurden Menschen, die eine Sünde begingen, zum Osterfest mit Asche bestreut, mussten ein Bußgewand tragen und wurden symbolisch auch noch aus der Kirche geworfen. Die nächsten 40 Tage waren geprägt von innerlicher Reue und Buße, und die christliche Gemeinde nahm die Sünder erst am Gründonnerstag wieder in ihren Kreis auf.

Bis heute ist diese Symbolik der seelischen Reinigung & Buße übrigens in unserem Sprachgebrauch erhalten geblieben. Zwar laufen wir nicht mehr im Bußgewand und mit Asche bestreutem Haupt herum, doch gesteht man sich auch im weltlichen Sinne mit der Redewendung „Asche auf mein Haupt“ seine eigene Schuld ein.

#3 Den Buckel runterrutschen

„Rutsch mir doch den Buckel runter!“ – sicher keine ganz freundliche Aufforderung. Diese Redewendung ist immer dann passend, wenn der Ärger in uns „hochkriecht“ und sich irgendwie Luft verschaffen muss. Bestimmt ist es auch Ihnen schon ähnlich ergangen, oder?

Die Interpretation der Redensart hat sich auch über die Zeit gewandelt. Heute steht der „Buckel“ für den Rücken und das sinnbildliche „den Rücken zudrehen“ als ich zeige nur mehr meine Rückseite und ist recht harmlos. Früher war das weit deftiger gemeint, denn am Ende des Rückens ist der …? Und genau darauf spielt die Redewendung durchaus auch an. Wenn es um verächtliche Gesten geht, dann ist die Steigerung von „jemandem den Rücken zuwenden“ bekanntlich die Präsentation des (blanken) Allerwertesten.

#4 Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

„Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm!“ Mit dieser Redewendung können wir alle ganz gut leben, ist sie doch nicht negativ besetzt. Wenn der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, bedeutet dies nichts anderes, als dass sich Kinder ähnlich verhalten wie ihre Eltern.

Und auch für die Herkunft dieses Sprichwortes gibt es eine einfache Erklärung: Ein Apfel, der unweit seines Apfelbaumes zu Boden fällt, wird es nie ganz weit von seinem Baumstamm zu finden sein. Genauso verhält es sich mit den Eigenschaften von Kindern, die oft denen der eigenen Eltern ähneln.

#5 Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!“ Hier wird uns allen der Spiegel vorgehalten, denn in der Jugend lernt man bekanntlich besser als im Alter.

Dieses alte deutsche Sprichwort traf früher vielleicht des Pudels Kern, aber kann heutzutage nicht mehr gültig sein! Warum? Nun, unsere schnelllebige Zeit erfordert ein ständiges Weiterlernen, und die Drohung, die gewissermaßen in diesem Ausdruck steckt, verschiebt sich mit dem Alter vom ersten auf den zweiten Teil. Der erhobene Zeigefinger – er bleibt der gleiche, aber dieser Spruch hat in heutigen Tagen schon längst seine Gültigkeit verloren.

#6 Verflixt und zugenäht

„Verflixt und zugenäht!“ Nun ärgern Sie sich doch bloß nicht! Schon gar nicht über diese deutsche Redewendung. Sie wird schlicht als Steigerung des Fluches „verdammt“ gesehen und wartet zudem noch mit den Nebenformen „Verdammt und zugenäht“ sowie „Verflucht und zugenäht“ auf .

Sie entstammt einem alten Studentenlied, in dem es heißt:

„Ich habe eine Liebste, die ist wunderschön,
sie zeigt mir ihre Äpfelchen, da ist’s um mich gescheh’n.
Doch als mir meine Liebste der Liebe Frucht gesteht,
da hab’ ich meinen Hosenlatz verflucht und zugenäht.“

#7 Alter Schwede

„Alter Schwede“ – ganz schön raue Sitten! Aber auch der „Alte Schwede“ begegnet uns schon seit dem 16. Jahrhundert und ist dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg zu verdanken. Dieser ließ nämlich nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges bewährte und erfahrene schwedische Soldaten als Ausbilder für sein Heer anwerben. Und die Soldatensprache brachte es mit sich, dass diese als „die alten Schweden“ bezeichnet wurden.

#8 Mein lieber Scholli

In damaligen rauen Zeiten konnte einem auch schon mal das „Fell über die Ohren gezogen“ werden, wenn man nicht mit offenen Karten spielte. Und auch „Mein lieber Scholli“ war gewiss nicht weit – eine Redewendung, zu der es übrigens drei Theorien gibt:

  1. Die erste leitet das Wort „Scholli“ vom französischen Adjektiv „joli“, was so viel heißt wie schön, nett und hübsch, ab. Davon ausgehend wäre „Mein lieber Scholli“ eine eingedeutschte Form mit folgender Bedeutung: „Na, mein Hübscher, da hast du dir aber was geleistet!“
  2. Die zweite Theorie besagt, dass „Scholli“ eine reale Person war, nämlich Ferdinand Joly. Dieser wurde 1783 von der Salzburger Universität verwiesen und führte danach ein Vagabunden-Leben. Er kultivierte gewisse Eigenheiten und gilt zumindest in Österreich als ein Original. Auch als Dichter volkstümlicher Stücke und Lieder ist er kein Unbekannter.
  3. Auch die dritte Theorie nimmt Bezug auf eine reale Person. Dieses Mal ist es Julius August Isaak Jolly, der von 1823 bis 1891 lebte. Als damaliger Präsident des badischen Innenministeriums wurde durch ihn die Trennung von kirchlichen und staatlichen Angelegenheiten betrieben, so dass er im Badischen Kulturkampf den preußischen Kulturkampf vorwegnahm.

#9 Klappe zu – Affe tot

„Klappe zu – Affe tot“ – diese Redewendung stammt aus dem Zirkusgewerbe, wo Affen früher als Hauptattraktion galten. Viele Zirkusse lockten Schaulustige in ihre Vorstellungen, indem sie am Kassenhäuschen ein kleines Äffchen postierten, das in einer Holzkiste sitzen musste.

War die Klappe geschlossen, war der Affe verstorben – so einfach war das früher! Aber keine Angst, „Klappe zu – Affe tot“ gilt als eines jener Sprichwörter, das verwendet wird, wenn eine Sache erledigt ist oder beendet wurde. 

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